Archiv für April, 2009
30.04.09

Krise torpediert nun auch BASF und Wacker Chemie

- Unternehmen/Finanzen -

Massive Stellenstreichungen geplant - Hohe Fixkosten belasten

Chemieriesen kämpfen gegen die Krise an (Foto: basf.com)

Ludwigshafen/München/Frankfurt (pte/30.04.2009/11:30) - Die Wirtschafts- und Finanzkrise schlägt nun auch massiv auf deutsche Chemie-Unternehmen wie BASF und Wacker Chemie durch. Obwohl das heute, Donnerstag, von BASF präsentierte Ergebnis für das erste Quartal 2009 einen hohen Umsatz- und Gewinneinbruch ausweist, liegt man noch über den Erwartungen der Analysten. Konzernchef Jürgen Hambrecht sieht jedoch keine Trendwende in Sichtweite und hat einen großen Stellenabbau von 2.000 Arbeitsplätzen angekündigt. Ähnlich die Lage beim Münchner Halbleiterzulieferer und Chemiespezialisten Wacker Chemie. Trotz der breiten Produktaufstellung geht Wacker-Chemie-Boss Rudolf Staudigl davon aus, dass die Vorjahreswerte sowohl umsatz- als auch ergebnisbezogen vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen “deutlich” unterschritten werden.

“Die von der BASF vorgesehenen Stellenstreichungen sind angesichts dieses Abschwungs in sämtlichen Segmenten nahezu unvermeidbar. Schließlich sollte man nicht vergessen, dass das Unternehmen der weltweit am breitesten aufgestellte Chemieanbieter ist und die Fixkosten in Zeiten wie diesen einen sehr hohen Anteil ausmachen”, unterstreicht ein Branchenkenner im Gespräch mit pressetext. Die aktuellen Quartalszahlen bestätigen diese Einschätzung. Vor den Sondereffekten wie Restrukturierungen ging der Gewinn (EBIT) in den letzten drei Monaten um 58,2 Prozent auf 985 Mio. Euro zurück. Analysten hatten im Schnitt mit 744 Mio. Euro gerechnet. Unter dem Strich blieb für die Monate Januar bis März dieses Jahres immerhin ein Überschuss von 375 Mio. Euro, der sich damit um 67,9 Prozent binnen Jahresfrist verringerte.

Die Aktionäre belohnen die Pläne zur Effizienzsteigerung des BASF-Managements mit einem Kurssprung an der Börse. Bei Redaktionsschluss der Meldung (11:28 Uhr) notiert das Papier mit 5,69 Prozent im Plus bei 28,42 Euro. Trotz der zeitweiligen Verbesserungen in einzelnen Regionen behält Hambrecht seine pessimistischen Prognosen bei. Unter Miteinbeziehung der Übernahme von Ciba (pressetext berichtete: http://pressetext.com/news/081030017/ ) und der norwegischen Ölfirma Revus werde der Umsatz unter dem des Vorjahres liegen, erläutert der Manager. Vor allem die zunehmend schwindende Nachfrage macht BASF stark zu schaffen. So verringerte sich der Absatz im ersten Quartal um 20 Prozent, wobei auch der Umsatz um 23,3 Prozent auf 12,22 Mrd. Euro zurückging. Produktionskapazitäten werden nun gedrosselt.

Ähnlich erging es auch Wacker Chemie. Das Münchner Traditionsunternehmen musste einen Nachfrageeinbruch in der Bau-, Automobil- sowie Halbleiterindustrie hinnehmen. Allerdings federten das Polysilicium-Geschäft sowie Kostensenkungen die Rückgänge beim Umsatz und Ergebnis überraschend stark ab. “Wacker Chemie ist längst nicht so breit aufgestellt wie die BASF. Daher ist man in den einzelnen Teilsegmenten wie beispielsweise der Siliziumsparte auch stärker abhängig von Marktverschiebungen”, erläutert der Analyst gegenüber pressetext. So rutschte die Siliziumscheibensparte Siltronic mit einem operativen Verlust von 60 Mio. Euro tief in die Verlustzone. Besser verlief das Geschäft mit Silizium für die Solarindustrie. Insgesamt sank der Umsatz um 14,4 Prozent auf 872,5 Mio. Euro. Der Gewinn ging von 130,6 Mio. auf 5,5 Mio. Euro zurück. Die Aktie steigt aber um 13,00 Prozent auf 74,65 Euro. (Ende)

Aussender: pressetext.deutschland Redakteur:

Florian Fügemann email: fuegemann@pressetext.com Tel. +43-1-81140-305

30.04.09

Zweite Chance für Frankreichs Raubkopie-Gesetz

- Medien/Kommunikation -

Entwurf für “Hadopi” steht in verschärfter Version erneut zur Debatte

Frankreich will Raubkopierern den Stecker ziehen (Foto: pixelio.de, Chris Adel)

Paris (pte/30.04.2009/11:55) - Noch vor wenigen Wochen hat das französische Parlament den umstrittenen Gesetzesvorschlag der Konservativen gegen Raubkopierer im Internet überraschend abgelehnt. Nun steht dieser sogar in einer verschärften Version erneut zur Debatte. Dabei könnten der Entwurf “zur Verbreitung und zum Schutz kreativer Inhalte im Internet” bzw. die gleichnamige Behörde “Hadopi” (Haute Autorité pour la Diffusion des oeuvres et la Protection des Droits sur Internet) als Vorbilder für die gesamte EU dienen. Nachdem der von Präsident Nicolas Sarkozy gestützte Vorschlag Anfang April zurückgewiesen wurde, sieht der neuerliche Antrag sogar vor, Online-Piraten nach ihrer Netzsperre weiterhin für ihr Internet-Abonnement bezahlen zu lassen. Vor der ersten Abstimmung war lediglich geplant, die Datendiebe nach dreimaligem Verstoß vorübergehend vom Netz zu trennen.

“Die Abstimmung in Frankreich vom 9. April stellt nur eine Verzögerung des Gesetzgebungsverfahrens dar und darf getrost unter ‘technischer Betriebsunfall’ verbucht werden. Die GVU begrüßt die französische Initiative ausdrücklich. Frankreich nimmt damit eine Vorreiterrolle beim effektiven Urheberrechtsschutz im digitalen Zeitalter ein”, meint Christine Ehlers, Sprecherin der Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU) http://www.gvu.de , auf Anfrage von pressetext. Ein Kooperationsmodell mit Internet Service Providern auf technischer Ebene sei als sinnvolle Ergänzung zum bestehenden Instrumentarium zu bewerten. “Bislang bleibt den Kreativwirtschaften keine andere Wahl, als ihre Produkte durch straf- oder zivilrechtliche Verfolgung zu schützen. Zudem würden im Rahmen eines solchen Modells auch jene Internetnutzer erst einmal aufgeklärt, ohne gleich strafrechtlich sanktioniert zu werden, die aus Unwissenheit illegal getauscht haben oder deren Anschluss von Dritten für illegale Aktivitäten genutzt wurde”, betont Ehlers gegenüber pressetext.

Den Plänen der regierenden Konservativen nach sollen Raubkopierer in einem dreistufigen Prozedere von der Behörde vorerst mehrfach verwarnt werden. Dazu werden zunächst zwei Ermahnungen per E-Mail, anschließend als Einschreiben versandt. Werden die Piraten erneut auffällig, droht ihnen dem Gesetzesentwurf zufolge eine Internet-Sperre von zwei Monaten bis zu einem Jahr. Dabei soll es sich um eine “pädagogische Maßnahme” handeln. In ihrem ersten Anlauf wurde Hadopi jedoch abgelehnt, da sich zur Abstimmung nur 15 konservative Abgeordnete im Parlament einfanden und eine Mehrheit verfehlten. Die oppositionellen Sozialisten bezeichnen den Vorschlag hingegen als “gefährlich, nutzlos, ineffizient und äußerst riskant für die Bürger”.

Vonseiten der EU wurde der Weg zu unabhängigen Agenturen nach Vorbild der Hadopi bereits gestern, Mittwoch, freigemacht. Demnach können die Mitgliedsstaaten nach eigenem Ermessen über die Einrichtung von Behörden zur Internet-Zugangssperre entscheiden, sobald die Zustimmung des Ministerrats erfolgt ist. Diese wird nur mehr als Formsache betrachtet, nachdem sich das Europäische Parlament schon im Vorfeld mit den ständigen Vertretern der Mitgliedsstaaten und dem Ministerrat verständigt hat. Durch das Antipiraterie-Gesetz sollen illegale Downloads von Musik und Filmen eingedämmt werden. Die rasante Verbreitung von Raubkopien führt zu drastisch sinkenden Einnahmen bei den Urhebern. Während vonseiten der Musikindustrie bereits der ursprüngliche Gesetzesvorschlag begrüßt wurde - so etwa vom Manager der bekannten irischen Rockband U2 (pressetext berichtete: http://pressetext.com/news/090409019/ ) -, warnen Konsumentenschützer davor, dass Unschuldige durch Hadopi Schaden nehmen könnten. (Ende)

Aussender: pressetext.deutschland Redakteur:

Manuel Haglmüller email: haglmueller@pressetext.com Tel. +43-1-811-40-315

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