Archiv für February, 2009
28.02.09

Krise schürt Angst vor Unruhen im Osten

- Politik/Recht -

Russische Führung beugt möglichen Protesten mit Aufrüstung vor

Kreml rüstet gegen mögliche Krisenproteste auf (Foto: pixelio.de, Jerzy)

Moskau/Berlin (pte/28.02.2009/06:05) - Die Volkswirtschaften des Ostens befinden sich in einer zunehmend brisanten Lage. Dabei kündigen sich nicht nur die Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf zahlreiche osteuropäische Länder sowie Russland mit voller Breitseite an. Dadurch ist offenbar auch die politische Stabilität in einigen Regionen ernsthaft bedroht. Während der Unmut der Bevölkerung wächst und Wut und Enttäuschung über die aktuelle Lage zunehmen, steigt die Angst der Regierungen vor möglichen Eskalationen. Nachdem etwa Litauen, Lettland oder Bulgarien bereits zu Schauplätzen von Straßenschlachten wurden, hat sich Russland dazu entschlossen, möglichen Konflikten durch militärische Aufrüstung vorzubeugen. “In Russland ist es wegen der Erhöhung der Auto-Einfuhrzölle bereits zu Protesten gekommen. Geht die Krise noch tiefer, sind weitere Konflikte möglich”, meint Konstantin Kholodilin, Russland-Experte beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung http://www.diw.de , im Gespräch mit pressetext. Derzeit gebe es zwar keine Anzeichen für eine große Eskalation. “Allerdings war auch die Wirtschaftskrise selbst nicht vorherzusehen”, sagt der Experte. Eine Verschärfung der innerstaatlichen Krise sei daher nicht kategorisch auszuschließen. Laut einer im Januar 2009 vom Allrussischen Zentrum der öffentlichen Meinung (VZIOM) durchgeführten Umfrage sind nur 21 Prozent der Befragten bereit, an Protestaktionen teilzunehmen. Die Mehrheit von 64 Prozent halte es für unwahrscheinlich, dass es zu Massenprotesten kommen wird. 2009 steht Russland nach Zahlen von Eastern Europe Consensus Forecasts eine um 0,6 Prozent schrumpfende Wirtschaftsleistung bevor. Zudem befinden sich die Arbeitslosenzahlen auf Rekordkurs. Allein im Januar verloren rund 300.000 Menschen ihre Jobs, womit die Arbeitslosigkeit auf 6,1 Mio. oder 8,1 Prozent der arbeitsfähigen Bevölkerung stieg. “Die Lage in Russland wird sich weiter verschlechtern und die aktuelle Wirtschaftskrise wird länger dauern als die Rubelkrise 1998″, beschreibt Kholodilin. Damals hatte ein massiver Kapitalabfluss eine Wirtschaftskrise ausgelöst und die russische Währung unter Druck gebracht. Angesichts der aktuellen Situation zeigt der Rubel jedoch erneut Schwächen, wogegen die Zentralbank in Moskau bereits steuern musste. “Bis Mitte 2010 wird sich die russische Wirtschaft nicht erholen”, erklärt Kholodilin. Zwar nimmt die Regierung Etatkürzungen vor, um der schwachen konjunkturellen Entwicklung gegenzusteuern. Rüstungsprojekte sind davon jedoch ausgenommen, wie im Wochenverlauf bekannt wurde. Angesichts der Finanzkrise und möglicher weiterer Konflikte wurde durch Präsident Medwedjew zur Stabilisierung der inneren Sicherheit die Bildung einer nationalen Kaderreserve angeordnet. Wie die Welt berichtet, besteht diese aus Angehörigen der Armee, Innentruppen, der Zivilverteidigung sowie der staatlichen Agentur für Sonderbauten. Die Zahl der für die russische innere Sicherheit Zuständigen liege jedoch mit rund 2,5 Mio. bereits deutlich über jener der russischen Streitkräfte. Angesichts des einbrechenden Konsums im Westen wachsen die wirtschaftlichen Probleme des Ostens. Die exportorientierten Volkswirtschaften drosseln die Produktion, was steigende Arbeitslosenzahlen zur Folge hat. Neben der Verunsicherung innerhalb der Bevölkerung wachsen die Risiken eines Staatsbankrotts in verschiedenen Ländern wie der Ukraine, berichtete die Financial Times Deutschland. Nachdem der IWF Ungarn und Lettland mit Mrd.-Krediten vor der Pleite bewahrte, pumpen auch die Entwicklungsbanken erste Finanzhilfen in die Bankensysteme Osteuropas (pressetext berichtete: http://pte.at/pte.mc?pte=090227014 ). Morgen, Sonntag, will die EU über das weitere Vorgehen und mögliche Hilfsmaßnahmen für die betroffenen Regionen beraten. Solange die Osteuropa-Krise nicht im Griff ist, dürfte die Lage aber explosiv bleiben. (Ende)

Aussender: pressetext.deutschland Redakteur:

Manuel Haglmüller email: haglmueller@pressetext.com Tel. +43-1-811-40-315

28.02.09

Keine Chance für Bezahl-Nachrichten im Web

- Medien/Kommunikation -

Zeitungen mit Zusatzdiensten auf der Suche nach Erfolg

Die Zeitung im Netz bleibt gratis (Foto: pixelio.de/Birgit H.)

Wien (pte/28.02.2009/06:10) - Konfrontiert mit rückläufigen Leserzahlen, einer Flaute auf dem Anzeigenmarkt und dem ständig wachsenden Wettbewerb im Netz geraten Zeitungen immer stärker unter Druck. Parallel zu fast täglich neuen Schreckensmeldungen aus dem US-Zeitungsmarkt kommt dort, aber auch in Europa neuerlich die Frage auf, wie die Printmedien ihr Überleben in Zukunft sicherstellen können. Ein zentraler Diskussionspunkt ist dabei das Thema kostenpflichtiger Online-Inhalte. So gewinnen Geschäftsmodelle wie jenes des Wall Street Journals oder der Financial Times, die zumindest teilweise Geld für ihren Online-Content verlangen, scheinbar wieder an Attraktivität. Einen Ausweg aus der Krise sehen und suchen Vertreter aus der Zeitungsbranche hierzulande darin jedoch nicht, sondern zeigen sich einig darüber, dass Bezahl-Nachrichten im Web keine Chance haben. “Die Diskussion um kostenpflichtige Online-News ist eigentlich durch, der Zug dafür ist längst abgefahren”, meint Hannes Schopf, Sprecher des Verbandes Österreichischer Zeitungen (VÖZ) http://voez.at , im Gespräch mit pressetext. Worüber Verlage allerdings nachdenken würden, seien verschiedene kostenpflichtige Plattformangebote und Zusatzdienste, die dem Nutzer einen echten Mehrwert bieten. “Für Spezialangebote wären die Leser dann auch bereit zu bezahlen. Schlichte Nachrichten, die jetzt kostenlos sind, wird niemand mehr verkaufen können”, so Schopf. Auch beim Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) http://www.bdzv.de hält man das Bezahlen für Online-Inhalte, die bislang gratis waren, für sehr unwahrscheinlich. “Geld bezahlen werden Nutzer nur für Content, den sie sonst nirgends oder schwerlich finden - wie zum Beispiel Themen-Dossiers, Archivdienste oder Fotorecherche”, erklärt Anja Pasquay, Sprecherin des BDZV, gegenüber pressetext. Die früheren Leser seien heute immer häufiger “Publikum” eines breit aufgestellten Medienmarktauftritts der jeweiligen Zeitung - sowohl gedruckt als auch online und mobil. “Information wird zum Alltagsartikel”, so Pasquay. Dass sich dieser “Alltagsartikel” im Web nicht auf klassische Weise verkaufen lässt, davon sind auch die Online-Redaktionen überzeugt. “Wir halten es für keine gute Idee, Online-Content auch nur teilweise kostenpflichtig zu machen. Vor allem ein General-Interest-Medium kann so nicht funktionieren, gerade bei so viel Konkurrenz und anderen Anbietern im Netz”, sagt Gerlinde Hinterleitner, Chefredakteurin von derstandard.at, auf Nachfrage von pressetext. Auch in Zukunft wolle die Zeitung keine Bezahl-Dienste einführen. “Im Gegenteil, wir haben erst kürzlich unser komplettes Online-Archiv kostenlos zugänglich gemacht”, so Hinterleitner. Trotz klarer Absage an das Bezahlen von Online-Nachrichten stehen die Verlage jedoch vor der Frage, wie in Zukunft wirtschaftlich gearbeitet und die Herausforderungen der Digitalisierung erfolgreich gemeistert werden können. Finanzielle Probleme sind vor allem dieser Tage nicht von der Hand zu weisen und haben bereits auf unterschiedlichen Ebenen zum Umdenken geführt. So konnte und wollte sich zuletzt beispielsweise die WAZ-Mediengruppe keine Inhalte der Deutschen Presseagentur (dpa) mehr leisten (pressetext berichtete: http://pte.at/pte.mc?pte=090129034 ). Neben Kosteneinsparungen war für den Medienkonzern dabei vor allem das Geschäftsmodell der dpa ausschlaggebend, an dem die WAZ herbe Kritik übte. Der Schluss, dass Nachrichtenagenturen heute ausgedient hätten, wäre dennoch falsch. “Wir haben ein gutes Verhältnis zu den Agenturen und bezahlen seit Jahren für den Content. Es muss für ein Online-Medium auch in Zukunft möglich sein, sich diese Inhalte zu leisten. Wir werden auch künftig nicht darauf verzichten”, betont Hinterleitner. Auch ohne zusätzlichen Druck aufgrund der Finanz- und Wirtschaftskrise befindet sich die Zeitungsbranche nach wie vor in einem Transformationsprozess. “Mit der Digitalisierung haben sich traditionelle Geschäftsfelder verlagert, zugleich werden ganz neue Produkte und Vertriebswege unter dem Markendach Zeitung entwickelt”, erklärt Pasquay. Die ultimative Lösung, die den künftigen Erfolg bringen werde, gebe es sicher nicht. “Es wird sich wohl vielmehr um einen Strauß von Maßnahmen handeln, den jeder Verlag oder jedes Medienhaus für sich selbst gewichten muss.” Über den letztendlichen Erfolg entscheide wie so oft vor allen Dingen die Qualität der Inhalte. (Ende)

Aussender: pressetext.austria Redakteur:

Claudia Zettel email: zettel@pressetext.com Tel. +43-1-81140-314

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