Archiv für September, 2008
30.09.08

British Telecom testet Spion-Werbesystem

- Medien/Kommunikation -

Sprecher: “Kunden können zu jeder Zeit aussteigen”

Phorm analysiert das Online-Verhalten der Nutzer (Foto: pixelio.de, U. Steinbrich)

London (pte/30.09.2008/13:50) - Nachdem das heftig umstrittene Online-Tracking-Werbesystem Phorm http://www.phorm.com vor kurzem von der britischen Regierung als “legal” erklärt worden ist, plant die British Telecom (BT) nun http://www.bt.com einen neuerlichen Testlauf in Großbritannien. Wie die BBC berichtet, soll ab heute, Dienstag, eine erste Gruppe von BT-Kunden dazu eingeladen werden, die neue Werbetechnologie per “opt in”-Verfahren zu testen. Die bisherige Praxis, Testläufe ohne die ausdrückliche Zustimmung der Nutzer durchzuführen, hatte nach ihrem Bekanntwerden in der Vergangenheit eine wahre Protestwelle bei Datenschutzorganisationen ausgelöst. Der aktuelle, dritte Test ist der erste, der von den verantwortlichen Unternehmen auch offiziell angekündigt worden ist. Ziel des neuerlichen Probelaufs ist es laut BT-Angaben, den sinnvollsten und effektivsten Einsatz des Phorm-Systems im praktischen Alltag zu ermitteln. “Wenn der aktuell gestartete Testlauf unseren Erwartungen entsprechend verläuft, werden wir Phorm auf unsere gesamte Breitband-Kundenbasis ausweiten”, zitiert die BBC einen BT-Sprecher. Geplant sei eine vorläufige Testdauer von mindestens vier Wochen. “Wir hoffen, dass rund 10.000 Kunden unsere Einladung annehmen werden”, ergänzt der Sprecher. Für die Nutzer bestehe im Rahmen des Tests zu jeder Zeit die Möglichkeit per “opt out” auszusteigen. Eine eigens für die Probephase eingerichtete Startseite soll den Teilnehmern zudem nützliche Zusatzinformationen zum Projekt geben und die wichtigsten Fragen beantworten. “Ob nach der Öffnung des Systems für alle Kunden auch weiterhin eine ‘opt in’-Möglichkeit besteht, ist gegenwärtig noch nicht endgültig entschieden”, räumt der Sprecher ein. Es stehe aber schon jetzt fest, dass es eine “opt out”-Möglichkeit geben werde, die Kunden zu jeder Zeit einen Ausstieg aus dem Tracking-System erlaubt. Mit Hilfe von Phorm lassen sich alle besuchten Seiten der Providerkunden analysieren, um aus den so ermittelten Daten ein detailliertes Interessensprofil der Nutzer zu erstellen. So kann den Nutzern auf allen Seiten, die sie besuchen, maßgeschneiderte Werbung gezeigt werden. Dieses sogenannte “Behavioral targeting”-Verfahren wird in der Werbebranche zunehmend populärer. Werbetreibende, die auf diesen Ansatz setzen, sollten sich aber darüber im Klaren sein, dass Konsumenten dieser Methode äußerst kritisch gegenüberstehen. “Prinzipiell wollen sie zwar Werbung, die auf ihre persönlichen Bedürfnisse und Interessen zugeschnitten ist. Was die hierfür notwenige Erhebungsmethode betrifft, sind sie aber überaus kritisch”, heißt es etwa in einem kürzlich vorgelegten Bericht des Marktforschungsunternehmens eMarketer (pressetext berichtete: http://pte.at/pte.mc?pte=080703014 ). Lediglich 23 Prozent der US-Bürger hätten kein Problem mit einer derartigen Vorgehensweise. “Im Grunde sind solche Ansätze heute nichts Neues mehr”, meint Volker Nickel vom Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft http://www.zaw.de gegenüber pressetext und verweist auf die Auswertung von Nutzerdaten bei einzelnen Suchmaschinenanbietern. Dass derartige Systeme für die Werbebranche zunehmend relevanter werden, sei kein Geheimnis. “Durch solche Ansätze können Werbetreibende die bisher öfter vorgekommene, für sie unangenehm kostspielige Fehlstreuung ihrer Werbebotschaften einschränken”, erklärt Nickel. “Die Bereitschaft der deutschen Konsumenten, an einem solchen System teilzunehmen, ist gegenwärtig aber nur sehr eingeschränkt gegeben”, so Nickel abschließend. (Ende)

Aussender: pressetext.deutschland Redakteur:

Markus Steiner email: steiner@pressetext.com Tel. +43-1-81140-317

30.09.08

Konsumflaute setzt Hennes & Mauritz zu

- Handel/Dienstleistungen -

Umsatz und Gewinn unter den Erwartungen - Aktie verliert zehn Prozent

H&M bekommt abkühlende Konjunktur zu spüren (Foto: hm.com)

Stockholm/Frankfurt am Main (pte/30.09.2008/13:55) - Der schwedische Textilhandelskonzern Hennes & Mauritz (H&M) http://www.hm.com bekommt die stark gedämpfte Konsumfreudigkeit der Europäer zu spüren. Wie das Unternehmen mitteilte, konnte zwar das Vorsteuerergebnis im Vergleich zum Vorjahresquartal von 4,4 auf insgesamt 4,59 Mrd. schwedische Kronen (470 Mio. Euro) gesteigert werden. Dennoch hatten Analysten im Schnitt mit 5,03 Mrd. Kronen gerechnet. Auch beim Umsatz musste Hennes & Mauritz die Erwartungen der Branchenkenner enttäuschen. Anstatt der zuvor prognostizierten 20,97 Mrd. Kronen erwirtschafteten die Schweden im dritten Quartal nur 20,87 Mrd. Kronen (rund 2,1 Mrd. Euro). Die Anleger straften den Modekonzern für die Zahlen ab. Bei Redaktionsschluss dieser Meldung (13:25 Uhr) verlor das Papier an der Stockholmer Börse fast zehn Prozent an Wert und notiert bei unter 29 Euro - so tief lag der Aktienkurs zuletzt Mitte 2006. “Dass ein konsumabhängiges Großunternehmen wie H&M derzeit unter der Zurückhaltung der Verbraucher zu leiden hat, überrascht mich nicht. Vor allem in Deutschland, einem sehr großen europäischen Absatzmarkt für H&M, befindet sich der Konsum bereits seit 2002 in einer Stagnationsphase”, unterstreicht Andreas Jörg Scheuerle, Leiter Sachgebiet Europäische Konjunktur und Branchenanalysen bei der DekaBank http://www.dekabank.de , im Gespräch mit pressetext. Laut dem Konjunkturexperten ist das Problem zumindest für Deutschland auf die Einkommensentwicklung zurückzuführen. “Aufgrund der hohen Steuer- und Abgabenlast hierzulande bleibt Arbeitnehmern Netto zu wenig übrig. Zudem hat die Inflation die Realeinkommen in der letzten Zeit massiv zurechtgestutzt”, meint Scheuerle weiter. Das weltweit drittgrößte Bekleidungsunternehmen führt den Geschäftsrückgang vor allem auf die schwächelnde Konjunktur zurück. Wegen der massiv gestiegenen Kosten für Energie und Lebensmittel halten sich die Verbraucher beim Konsum gegenwärtig eher zurück. Analysten sehen Hennes & Mauritz jedoch nicht als Ausnahmefall, sondern vielmehr als Paradebeispiel für sinkende Umsätze in ganz Europa. Obwohl Hennes & Mauritz lange Zeit erfolgsverwöhnt dem schwachen Konsumumfeld widerstand, scheinen nun selbst preisbewusste Verbraucher in ganz Europa noch stärker als bisher auf ihre Ausgaben zu achten. Nur dank der Eröffnung neuer Geschäftsfilialen konnte der Lyfe-Style-Konzern seinen Umsatz in den zurückliegenden Monaten Juni bis August zweistellig um zwölf Prozent auf rund 2,1 Mrd. Euro steigern. Neben der belastenden Konjunkturflaute, die sich in vielen europäischen Staaten abzeichnet, kämpft H&M hingegen auch mit sinkenden Verkaufspreisen sowie höheren Produktions- und Transportkosten. Diese Rahmenbedingungen drückten die Bruttomarge des Unternehmens in den zurückliegenden drei Monaten. So ging der Umsatz abzüglich der Herstellerkosten leicht um 0,4 Prozentpunkte auf 60,8 Prozent zurück. Dies dürfte ein wesentlicher Grund dafür sein, dass die H&M-Aktie seit Jahresbeginn über 30 Prozent an Wert verloren hat. Ungeachtet der Geschäftsprobleme hat das H&M-Management angekündigt, den bisherigen Expansionskurs fortzusetzen. Demnach hält der Konzern an seiner Strategie weiter fest und plant, zahlreiche neue Filialen zu eröffnen. Allein im vierten Quartal 2008 sind 114 neue Läden vorgesehen. (Ende)

Aussender: pressetext.deutschland Redakteur:

Florian Fügemann email: fuegemann@pressetext.com Tel. +43-1-81140-305

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