Archiv für December, 2007
29.12.07

Rückblick 07: Weg frei für die zweite Dot-Com-Blase

- Unternehmen/Finanzen -

US-Finanzkrise verunsichert Anleger - Bioenergie-Boom bewirkt Kursfeuerwerk

Zentralbanken pumpten während der US-Subprime-Krise Milliarden in den Markt (Foto: pixelio.de)

Wien (pte/29.12.2007/07:40) - Die Finanz- und IT-Branche durchlebte 2007 ein Wechselbad der Gefühle. Nachdem die US-Finanzkrise weitaus stärker als angenommen ihre globalen Schatten warf, gingen Anleger und Banken verstärkt in die Defensive. Gleichzeitig nahmen Investitionen in Internet-Unternehmen utopische Dimensionen an, die Analysten an die geplatzte Dot-Com-Blase zu Beginn des neuen Jahrtausends erinnerten. Aber auch das Geschäft regenerativer Energien boomte ungebrochen. Mega-Deals aus dem Wind-, Solar- und Bioenergie-Sektor beflügelten die Aktienkurse und ließen die Auftragsbücher dicker werden. Die IT-Branche hingegen wartete in diesem Jahr mit Produkthighlights wie dem Microsoft Betriebssystem Windows Vista und Apples Lifestyle-Handy iPhone auf.

Die US-Subprime-Hypothekenkrise löste im Sommer dieses Jahres eine Eruption an den Finanzmärkten aus. Nachdem die US-Preise für Immobilien stagnierten und rund 60.000 Kreditnehmer mit geringer Bonität ihre Raten nicht mehr bedienen konnten, kollabierte das Subsegment mit globalen Folgen. Weil Subprime-Kredite am Kapitalmarkt refinanziert und als Wertpapiere verbrieft sowie an sämtliche Finanzdienstleister verkauft wurden, stockte auch die Liquidität. Daraufhin pumpten die Zentralbanken dreistellige Milliardenbeträge in den Markt, um konjunkturelle Folgen abzuwenden (siehe: http://pte.at/pte.mc?pte=070901001 ). Zudem dämmte die Krise nicht nur Übernahmen und Fusionen ein, sondern führte auch zu einem generellen Vorbehalt der Banken hinsichtlich ihrer Kreditvergabe. Die Schweizer Großbank UBS als jüngstes Opfer der Krise musste somit Beträge im hohen einstelligen Milliardenbereich abschreiben. So droht das Finanzdilemma zu einer ernsthaften Kreditkrise zu werden, die 2007 noch längst nicht ihr Ende gefunden hat, sind sich Analysten einig (siehe: http://pte.at/pte.mc?pte=071210032 ).

Den Anspruch, zum multimedialen Unterhaltungszentrum zu werden, strebte Microsoft 2007 mit der Markteinführung des Betriebssystems Windows Vista samt eines neuen Office-Pakets an. Obwohl der bis dato größte Produkt-Launch in der Geschichte Microsofts mehr Sicherheit, einfachere Bedienbarkeit und nicht zuletzt einen höheren Unterhaltungsfaktor mit “Wow-Effekt” versprach, gestaltete sich der Verkauf gegenüber der Vorgänger-Version Windows XP moderat (siehe: http://pte.at/pte.mc?pte=070912029 ). Der Absatz bei Stand-Alone-Produkten stagnierte, was die Euphorie eintrübte und kundenseitig den Ruf auf die Verlässlichkeit XPs lauter werden ließ. Zusammen mit Microsoft kamen PC-Hersteller dem Wunsch vieler Kunden nach einem Windows-XP-Downgrading nach. Obwohl sich Office 2007 als Verkaufsschlager behauptete und Vista viele Privatkunden erreichte, blieb der große Wurf im B2B-Segment aus. So gab Dirk Thomaere, Toshiba Europe General Manager Computersysteme D-A-CH, gegenüber pressetext offen zu, die Situation anfangs falsch eingeschätzt zu haben (siehe: http://pte.at/pte.mc?pte=071020001 ).

Doch nicht nur Microsoft wartete 2007 mit einem neuen Produkt-Highlight auf. Apple führte sein vielfach angepriesenes Lifestyle-Handy iPhone gegen Mitte des Jahres in den USA ein. Da der Konzern bis Ende 2008 rund ein Prozent des weltweiten Mobiltelefon-Markts anstrebt, folgten gegen Jahresende etappenweise Marktplatzierungen in ganz Europa. Die Meinung, dass sich das iPhone hierzulande nicht so wie in den USA verkaufen lassen würde, blieb vorerst Branchen-Experten vorbehalten. So drohte dem US-Geschäftsprinzip in Form der Exklusivvermarktung des iPhones über T-Mobile in Deutschland kurzzeitig das Aus. Nachdem Mitbewerber Vodafone D2 erfolgreich eine einstweilige Verfügung gegen die Exklusivvermarktung SIM-gelockter iPhones erwirkte, trieb der daraufhin entstehende Markt seltsame Blüten (siehe: http://pte.at/pte.mc?pte=071121027 ). So nutzte T-Mobile-Rivale Debitel die vorläufige iPhone-Entsperrung aus, um sein eigenes Tarifmodell zu bewerben. Dieses sah vor, Besitzern SIM-lockfreier iPhones, die diese zuvor für 1.000 Euro bei T-Mobile gekauft hatten, bei einem Vertragsabschluss die Differenz zum herkömmlichen Kaufpreis in Höhe von 600 Euro gutzuschreiben (siehe: http://pte.at/pte.mc?pte=071128024 ). Mittlerweile halten es Analysten jedoch für fraglich, dass das iPhone seinen vorbereiteten Siegeszug in Japan verwirklicht.

Das Business-Jahr 2007 stand auch im Zeichen des Internet-Hypes. So verkauften sich Internet-Firmen mit ausgefallenen Namen, geringen Umsätzen und wenigen Kunden zu hohen Preisen. Zudem schien es kurzzeitig so zu sein, dass die Folgen der geplatzten Dot-Com-Träume vom Anfang des Jahrtausends bei den Investoren in Vergessenheit gerieten. Laut Experten würden die Bewertungen für diese Unternehmen auf ökonomischer Basis oft jeglicher Rationalität entbehren. Der 240 Dollar umfassende Teilverkauf von nur 1,6 Prozent der Social-Networking-Plattform Facebook an Microsoft (siehe: http://pte.at/pte.mc?pte=071025015 ) verdeutlicht die Unverhältnismäßigkeiten. Obwohl Facebook von Investoren mit 15 Mrd. Dollar eingeschätzt wird, legt der Portalbetreiber Yahoo dafür doppelt so viel in die Wagschale. Ähnlich schwer lässt sich die Bewertung des Suchmaschinenriesen Google erklären, dessen Aktie mittlerweile die 600-Dollar-Marke überschritten hat. Damit ist der Internetkonzern höher bewertet als IBM, obwohl dieser einen acht Mal höheren Umsatz besitzt. So scheint für Anleger alleinig der Aktienkurs zu gelten, meinen Insider (siehe: http://pte.at/pte.mc?pte=071017028 ).

Von diesen Turbulenzen unbeeinflusst zeigte sich der Spielekonsolen-Markt. So rechnet der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien damit, dass allein der deutsche Computerspiele- und Spielekonsolen-Markt 2007 etwa 2,14 Mrd. Euro Umsatz erwirtschaftet - gegenüber 2006 ein Wachstum von 21 Prozent. Trotz dieser positiven Aussichten ist die Konkurrenz zwischen Microsoft (Xbox), Sony (PS3) und Nintendo (Wii) hart wie nie zuvor. Preissenkungen und zusätzliche Features werben um die Gunst der Kunden, die sich längst nicht mehr auf bestimmte Randgruppen reduzieren lassen. Laut Analysten sind jedoch die Verfügbarkeit von Spielen sowie Abwärtskompatibilitäten entscheidende Kriterien. Zudem spielt der Marketing-Aufwand - wie am Beispiel von “Halo 3″ für die Xbox deutlich - eine wichtige Rolle. Aber auch innovative Konsolen-Konzepte wie das der Wii bescherten der Branche hohe Wachstumszahlen. So bleibt fraglich, ob Sonys Strategie einer PS3-Billigversion gegenüber Microsoft und Nintendo ernst zu nehmende Chancen haben wird (siehe: http://pte.at/pte.mc?pte=071010004 ).

Trotz des Siliziummangels und steigender Spot-Marktpreise über 400 Dollar pro Kilogramm erfreute sich die Solar-Branche überdurchschnittlichen Wachstums. Lieferverflechtungen und der Solaranlagen-Ausbau machten Spanien und Italien zu einem Paradies für Photovoltaik-Hersteller (siehe: http://pte.at/pte.mc?pte=070523031 ). So verlief das erste Halbjahr für alle Unternehmen der Branche vielversprechend, da durch nur moderate Preissenkungen weiterhin gute Margen erzielt werden konnten. Durch internationale Vertriebsstrategien und dem damit verbundenen Boom im Exportgeschäft baute zum Beispiel Marktführer SolarWorld eine neue Solarfabrik in Sachsen, durch die rund 1.000 neue Arbeitsplätze entstanden. Aufträge in Milliarden-Höhe bewirkten jedoch auch bei den Biogas- und Windanlagen-Bauern wahre Aktienkurs-Feuerwerke. Während die Beteiligungsholding BioKraftstoff Nord gegen Ende 2007 einen 75 Mio. Euro schweren Großauftrag an Land zog, enttäuschte Schmack Biogas nach einer Kurs-Rally mit einer Umsatzwarnung (siehe: http://pte.at/pte.mc?pte=070726019 ). Auch der norddeutsche Windanlagenbauer Nordex profitierte 2007 von der großen Nachfrage und trug dazu bei, dass sich Investments in regenerative Energie zum Anlagetrend mauserten. (Ende)

Aussender: pressetext.austria Redakteur:

Florian Fügemann email: fuegemann@pressetext.com Tel. +43-1-81140-305

28.12.07

Rückblick 07: Social Networking und der Streit ums Urheberrecht

- Medien/Kommunikation -

Internetzensur und virtuelle Welten prägen mediale Diskussion

Social Networking erlebte 2007 einen wahren Boom (Foto: fotodienst.at)

Wien (pte/28.12.2007/07:35) - Der Einfluss des Internets auf die Medienwelt hat sich in diesem Jahr weiter verstärkt. So kommen auch die klassischen Branchenvertreter Fernsehen, Print und Radio nicht mehr umhin, sich umfassend mit Online-Konzepten zu beschäftigen. Medienkonvergenz war 2007 ein vielgebrauchtes Wort und die Bedeutung von Internet-Plattformen erreichte wiederum neue Dimensionen. Social Networking, Internet-Videoportale und virtuelle Welten wurden zu Leitthemen des vergangenen Medienjahres und endeten nicht selten in heftigen Diskussionen um Urheberrecht und Markenpiraterie. Traurige Rekorde schrieben einmal mehr Zensurmaßnahmen rund um den Erdball, wobei auch hier insbesondere das Internet betroffen war.

Obwohl der Begriff Web 2.0 inzwischen abgegriffen erscheint, musste er doch auch in diesem Jahr als Überbegriff für Online-Netzwerke, Mitmach-Portale und webbasierte Unternehmensauftritte jeglicher Art herhalten. Social Networking erlebte einen wahren Höhenflug und die ganz großen US-Plattformen wie MySpace und Facebook verlagerten ihren Wettkampf zunehmend auf lokalisierte Ebene und verschiedene Sprachräume (siehe: http://www.pte.at/pte.mc?pte=071212023 ). Parallel zur Popularität der sozialen Netzwerke hat sich aber auch Kritik breit gemacht. Nicht selten warnten Experten in den vergangenen Monaten vor Gefahren des Social Networkings und selbst die Online-Werbewirtschaft zeigte sich mitunter besorgt über den aktuellen Hype (siehe: http://www.pte.at/pte.mc?pte=071124003 ).

Neben den Online-Netzwerken lösten virtuelle Welten - allen voran Second Life - einen wahren Medienhype aus, der dann schnell auch als Hauptcharakteristikum für das Paralleluniversum im Netz galt. Denn kaum hatten sich einige namhafte Unternehmen in Second Life angesiedelt, folgte schon eine gewisse Ernüchterung und Experten begannen vor zu hohen Erwartungen zu warnen (siehe: http://www.pte.at/pte.mc?pte=070519003 ). Schließlich machte die virtuelle Welt auch noch Negativschlagzeilen mit Fällen sexuellen Missbrauchs von Kindern und Rechtsstreitigkeiten um raubkopierte virtuelle Waren. Die Copyright-Frage im virtuellen Raum ist bislang ungeklärt und es bleibt abzuwarten, welche Markenfälschungen in Online-Welten künftig noch für - teils kuriose - Gerichtsverfahren sorgen werden (siehe: http://www.pte.at/pte.mc?pte=070629021 ).

Das Urheberrecht war 2007 aber auch der Brennpunkt in der Musik- und Videobranche. Nach wie vor kämpft die Musikindustrie gegen Copyright-Verletzungen im Internet, zieht gegen Filesharer vor Gericht und zeigt sich uneins beim Thema Kopierschutz (DRM). Während sich Konzerne wie Apple und Universal Music mittlerweile vom Digital Rights Management verabschiedet haben, halten andere weiterhin an ihrem traditionellen Denkmuster fest und zeigen wenig Bemühungen, sich mit Downloads und dem digitalen Zeitalter anzufreunden (siehe http://www.pte.at/pte.mc?pte=071005002 ). Die Kopierschutzdebatte weitete sich in diesem Jahr auch auf die Filmszene aus, in der Inhalte ebenfalls häufig mittels DRM vor Piraterie geschützt werden. Vor allem Online-Portale wie YouTube haben Anlass zur Diskussion gegeben, weil dort immer wieder urheberrechtlich geschützte Videos aufgetaucht sind. Im Frühling mussten sich die Plattformbetreiber deswegen auch in Deutschland vor Gericht stellen (siehe: http://www.pte.at/pte.mc?pte=070329040 ). Mittlerweile setzt Google daher auch verbesserte Filtersystem zum Aufspüren geschützter Inhalte ein und hat im Laufe des Jahres zudem vermehrt nach Kooperationsmöglichkeiten mit Fernsehsendern und Musikern gesucht.

Nach Partnerschaften wird aber auch von der anderen Seite, von Fernsehsendern und Zeitungen gesucht, die im Zuge des Digitalzeitalters ohne crossmediale Geschäftsmodelle nicht mehr auskommen. Die klassischen Medien verbreiten trotz teils rückläufiger Auflagenzahlen und sinkender Einschaltquoten durchwegs Optimismus (siehe: http://www.pte.at/pte.mc?pte=070927003 ) und stellen sich der Herausforderung Internet in dem Bewusstsein, dass sich die Zukunft hinter dem inzwischen etwas strapazierten Wort Medienkonvergenz verbirgt. So starten immer mehr Fernsehsender mit neuen Online-Angeboten durch und keine Zeitung kann mehr auf einen ansprechenden Internetauftritt verzichten. Trotz der immensen Bedeutung des neuen Mediums, das mittlerweile schon einige Jahre auf dem Rücken hat und seinen Kinderschuhen längst entwachsen ist, werden die klassischen Medien nicht müde zu betonen, dass sie sich vor einer Verdrängung am Markt nicht fürchten. Vielmehr wird das ergänzende Miteinander in den Mittelpunkt gerückt und das Web mitunter sogar als Rettung für die traditionellen Medienfabriken inszeniert (siehe http://www.pte.at/pte.mc?pte=071110002 ).

Traurige Rekorde sowohl in den klassischen wie neuen Medien gab es auch in diesem Jahr wieder aufgrund von weltweit verbreiteter Zensur sowie der Verfolgung und Ermordung von Journalisten. Besonders besorgniserregend entwickelte sich die Situation in Ländern wie China, dem Iran, Saudi Arabien und Burma (siehe http://www.pte.at/pte.mc?pte=071130028 ). Aber auch in Russland und in Mitteleuropa zeigten sich teilweise bedenkliche Maßnahmen seitens der Regierungen. Vor allem die Internetzensur erlebte 2007 eine Hochblüte und fast regelmäßig sorgten Inhaftierungen von Bloggern und Cyber-Dissidenten für weltweites Aufsehen. In China ließen die Behörden im Sommer einen Weblog-Schreiber gar in die Psychiatrie einweisen, weil er regimekritische Beiträge verfasst hatte (siehe http://www.pte.at/pte.mc?pte=070824016 ). Die Organisation Reporter ohne Grenzen übte insbesondere in Hinblick auf die Olympischen Spiele im kommenden Jahr immer wieder heftige Kritik an der chinesischen Regierung. Bleibt zu hoffen, dass sich die Situation 2008 nicht weiter verschlechtert und die negativen Rekorde aus diesem Jahr nicht neuerlich gebrochen werden. (Ende)

Aussender: pressetext.austria Redakteur:

Claudia Zettel email: zettel@pressetext.com Tel. +43-1-81140-314

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