Archiv für September, 2007
29.09.07

In der Wissens- und Dienstleistungsökonomie nehmen die “lousy jobs” ab

- Unternehmen/Finanzen -

Experten streiten über den Nutzen von Mindestlöhnen

Berlin (pte/29.09.2007/13:15) - Die 15 “alten” EU-Staaten werden immer stärker von der Wissens- und Dienstleistungsökonomie geprägt. Im Durchschnitt arbeiten hier nur noch 17 Prozent der Erwerbstätigen in der industriellen Fertigung - und dieser Anteil sinkt weiter. “Mehr als zwei Drittel der Arbeitsplätze, die in der Wissensökonomie geschaffen werden, erfordern gute Fachkenntnisse. Das sind die ‘lovely jobs’, deren Zahl weiter zunimmt”, prognostiziert Professor Anthony Giddens, bis 2003 Direktor der London School of Economis and Political Science http://www.lse.ac.uk und seit 2004 Mitglied des Britischen Oberhauses für die Labour Party. Arbeitsplätze für Menschen mit geringen Qualifikationen (so genannte “lousy jobs”), nahmen dagegen in diesen Staaten zwischen 1995 und 2004 von 34 auf 25 Prozent ab. Der britische Sozialwissenschaftler hält daher die Einführung eines Mindestlohnes für geboten. Allerdings dürfe dieser nicht so hoch angesetzt werden, dass diese Jobs unmöglich werden, “weil wir sonst zugleich die guten Jobs einbüßen würden, die mit ihnen einhergehen”. “Wir müssen also zum einen versuchen, die Höhe des Mindestlohns so festzulegen, dass niemand trotz Erwerbsarbeit in Armut lebt (working poor). Und wir müssen zum anderen dafür sorgen, dass Menschen nicht für alle Zeit in diesen Tätigkeiten hängen bleiben”, sagt Giddens. Mario Ohoven, Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW) http://www.bvmwonline.de , widersprach gegenüber pressetext dieser Sichtweise. “Mindestlöhne vernichten massenhaft Arbeitsplätze”, sagte der Mittelstandspräsident. Auf dem Arbeitsmarkt würde ein Mindestlohn verheerend wirken und den Niedriglohnsektor bedrohen. Außerdem sei die Lohnfindung Sache der Tarifparteien. Daher verwundert es Ohoven, dass die Gewerkschaften für einen Mindestlohn stimmten, denn damit gäben sie ein Stück der eigenen Zuständigkeit an die Politik ab. Nach Berechnungen des Bundeswirtschaftsministeriums http://www.bmwi.de würde ein Mindeststundenlohn von 7,50 Euro zunächst einmal deutlich mehr als zwei Millionen Arbeitsplätze kosten. Besonders betroffen davon wären Frauen, die 70 Prozent der Bezieher von Niedriglöhnen ausmachen und bei denen dieses Einkommen in den meisten Fällen ein kleiner - aber wichtiger - Beitrag zum Familieneinkommen insgesamt darstelle. Überdies, so Ohoven, wäre ein staatlicher Eingriff in die Tarifautonomie nach Ansicht maßgeblicher Juristen verfassungsrechtlich überaus bedenklich. (Ende)

Aussender: pressetext.deutschland Redakteur:

Gunnar Sohn email: sohn@pressetext.com Tel. +49-228-6204474

29.09.07

Internationale Investoren stürmen Tschechien

- Handel/Dienstleistungen -

Direktinvestitionen und Zahl ausländischer Technologiezentren steigen

Nikolaus Seiwald, österreichischer Außenhandelsdelegierter in Tschechien (Foto: austriantrade.org)

Prag (pte/29.09.2007/13:25) - Das große Interesse ausländischer Konzerne am Wirtschaftsstandort Tschechien reißt nicht ab. Dies zeigt sich auch in den aktuellen Privatisierungsverhandlungen um mehrere tschechische Unternehmen. “Mit einem Bestand an Direktinvestitionen per Ende 2006 in Höhe von rund 56,1 Mrd. Euro und einem Zufluss im ersten Halbjahr 2007 von 2,42 Mrd. Euro ist Tschechien eine bedeutende Destination ausländischer Investoren”, sagt Nikolaus Seiwald, österreichischer Handelsdelegierter in Prag, auf Nachfrage von pressetext. Auch die Zahl der Technologiezentren ausländischer Investoren steigt weiter an.

Tschechien blieb laut einer aktuellen Studie von Ernst & Young auch 2006 unter den zehn weltweit attraktivsten Standorten für Direktinvestitionen und belegte gemeinsam mit Brasilien den 9. und 10. Platz, erläutert Seiwald. Als Investitionsstandort im Produktionsbereich rangierte Tschechien auf Platz sechs. Knapp drei Viertel der Investoren gehen zudem von einer weiteren Erhöhung der Attraktivität der Region Mittel- und Osteuropa aus. “Tschechien kann also in kommenden Jahren mit einem weiteren Investitionsfluss rechnen”, so Seiwald. Der Zufluss ausländischer Direktinvestitionen betrug 2006 insgesamt 4,75 Mrd. Euro, der größte Anteil kam aus den Niederlanden (21,6 Prozent). Auf den weiteren Plätzen folgten Deutschland (19,4 Prozent) und Österreich (14 Prozent).

Die Privatisierung war in den 90er-Jahren das Kernstück und wichtigste Element der tschechischen Wirtschaftspolitik. Mittlerweile wurden fast alle wichtigen Unternehmen verkauft, erläutert Seiwald. Derzeit werden unter anderem die Privatisierung des Prager Flughafens oder der Brauerei Budvar (pressetext berichtete: http://www.pte.at/pte.mc?pte=070915007 ) diskutiert. Erste Gerüchte über Verhandlungen mit der US-Brauerei Anheuser-Busch über den Kauf von Budvar wurden jedoch vonseiten der Regierung wieder dementiert, schreibt die Zeitschrift Tschechien am Morgen. Der Prager Flughafen soll nach einem Beschluss der Regierung bis Jahresende in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden. Danach haben das tschechische Verkehrs- und Finanzministerium bis März 2008 Zeit, um einen Privatisierungsplan für den Flughafen vorzulegen.

Auch die Fluglinie CSA und die tschechische Post sowie sieben Prozent des Energiekonzerns CEZ sollen verkauft werden. Für CSA liegen derzeit keine konkreten Privatisierungspläne vor, laut Czech Business Weekly könnten die anhaltenden Verluste der Fluglinie jedoch zum Problem bei künftigen Verkaufsverhandlungen werden. Die Privatisierungserlöse will die tschechische Regierung für die Modernisierung der Infrastruktur im Land aufwenden. Weitere wichtige Unternehmen, die noch in Staatsbesitz sind, deren Verkauf derzeit aber nicht aktuell ist, sind der Verwalter der staatlichen Öl- und Treibstoffreserven Cepro und CEZ, der wichtigste Elektrizitätsversorger des Landes. Ein früherer Privatisierungsversuch von CEZ scheiterte bereits, der Staat hält derzeit noch 67 Prozent an dem Unternehmen.

Im vergangenen Jahr beschlossen insgesamt elf ausländische Unternehmen den Bau von Forschungs- und Entwicklungszentren in Tschechien, schreibt Tschechien Online unter Berufung auf eine Studie von CzechInvest. Ein Jahr zuvor waren es noch acht Unternehmen. “Die meisten Unternehmen investieren zwar immer noch in die Produktion. Nachdem sie bei uns jedoch gute Erfahrungen gemacht haben, errichten sie oft auch Technologiezentren. Erfreulich ist, dass in den vergangenen Jahren auch Technologiezentren von Unternehmen angesiedelt wurden, die keine Produktionsbasis bei uns haben”, wird Tomas Hruda, Generaldirektor von CzechInvest, zitiert. (Ende)

Aussender: pressetext.austria Redakteur:

Victoria Schubert email: schubert@pressetext.com Tel. +43-1-81140-305

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