Kategoriearchiv 'Unternehmen/Finanzen'
14.05.09

Macy’s will Pleite-Konkurrenz Kunden abjagen

- Unternehmen/Finanzen -

Erweiterung des Warenportfolios als Mittel der Kundenakquise

Macy’s übt sich im Abwerben von Kunden (Foto: macys.com)

Cincinnati/New York/Köln (pte/14.05.2009/06:00) - Die größte US-Kaufhauskette Macy’s http://www.macys.com will in der schwersten Krise seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs von den Kunden ehemaliger Rivalen profitieren. Das erste Ziel ist dabei die Kundschaft des im Februar insolvent gegangenen Einrichtungshauses Fortunoff http://www.fortunoff.com . Zudem sind die Schließungspläne von 58 Gottschalks- und 177 Mervyn’s-Filialen für Macy’s Grund genug, das eigene Produktportfolio mit Waren dieser Segmente aufzustocken. Weil sich der Großkonzern deren Laufkundschaft gerne selbst einverleiben will, hat man bereits damit begonnen, selbst die Lager mit hochwertigen Kosmetika von Estée Lauder, Clinique und Lancôme zu füllen. Der Kundschaft soll auf diese Weise der Umstieg zu Macy’s problemlos ermöglicht werden.

“Die Fokussierung auf besonders lukrative Sortimente ist sicher ein guter Ansatz. Warenhäuser müssen sich zu möglichst schlanken ,Systemzentralen’ wandeln, die sehr flexibel auf die lokalen Märkte reagieren können und nicht überall das gleiche Angebot vorhalten”, unterstreicht Jörg Lehnerdt, Projektleiter bei der Unternehmensberatung BBE Retail Experts http://www.bbe-retail-experts.de , im Gespräch mit pressetext. Laut dem Fachmann müssen Kaufhausketten - wie alle Einzelhandelsformate - alle Standorte individuell betrachten und bedienen. Nur so können sie Lehnerdt zufolge auf lokalen Märkten bestehen. “Obwohl Retailketten traditionell die großen Frequenzbringer der Innenstädte waren und sich vor allem über ihre Größe definiert haben, lassen sich Kunden heute nicht mehr über Größe, sondern über kompetent besetzte Themenfelder langfristig binden”, verdeutlicht Lehnerdt weiter

Auch die Konzernstrategie, sich wie Macy’s auf genau die Warensegmente zu konzentrieren, die ehemals von Konkurrenzketten vertrieben wurden, ist weit verbreitet und für Einzelhandelsexperten nicht verwunderlich. In Krisenzeiten, in denen allein für die USA erwartet wird, dass die Ausgaben der Verbraucher zwischen fünf und zehn Prozent bzw. um 500 Mrd. bis eine Bio. Dollar auch aufgrund von Massenentlassungen zurückgehen werden, eine adäquate Maßnahme, so Insider. Auch wegen der bereits im Vorfeld mit Abschlägen erwarteten Geschäftszahlen von Macy’s scheint diese proaktive Lösung der richtige Weg zu sein. Schließlich haben die Analysten von Barclays bereits errechnet, dass das Unternehmen in seinem ersten Quartal 2009 einen Verlust von 79 Mio. Dollar ausweisen wird. In der Vorjahresperiode waren es bereits 59 Mio. Dollar.

Retailer wie Macy’s, Kohl’s Corporation, J.C. Penney Co. oder Best Buy Co., die die Krise trotz erheblicher Verluste aller Voraussicht nach überleben werden, wären laut James Schaye, Chief Executive des Liquidationsexperten Hudson Capital Partners, “dumm, wenn sie es nicht auf die Kundschaft von Ex-Konkurrenten abgesehen hätten”. Dabei erhalten Einzelhandelsketten nicht selten Hilfe von Markenherstellern. Diese haben schließlich selbst Verluste und sind daran interessiert, einen Großteil ihrer Waren über etablierte Kaufhäuser an die Kunden zu bringen. So hat der Hosenhersteller Levi Strauss http://www.levistrauss.com seine Kunden an der West Coast erst unlängst darauf hingewiesen, von woher sie nach dem Schließen der Mervyn’s-Filialen auch weiterhin die Ware beziehen können.

Große Ketten sollte sich daher vor allem an den lokalen Gegebenheiten und damit auch Bedürfnissen der Kunden orientieren. Macy’s scheint dieses Prinzip bereits zu leben und mit den aktuellen Warenerweiterungen proaktiv zu handeln. Nachdem die Pittsburgher Süßwarenkette Betsy Ann Chocolates einen Großteil ihrer Outlets geschlossen hatte, begann Macy’s damit, entsprechende Produkte in seinen Filialen rund um Pittsburgh anzubieten. Laut Lehnerdt kann und sollte dies vor allem in der Krise für Retailer erst der Anfang sein. “Im Gegensatz zu Deutschland scheint die ,Krise’ in den USA schon voll auf den Konsum durchgeschlagen zu haben. Zudem besteht das Standortnetz in Deutschland aus viel mehr, auch kleineren Innenstädten und Nebenzentren, die um ihre Funktion kämpfen müssen. Wenn ein solcher Standort auf der Kippe steht, reichen Sortimentsanpassungen der Warenhäuser nicht aus”, fügt Lehnerdt abschließend gegenüber pressetext hinzu. (Ende)

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Florian Fügemann email: fuegemann@pressetext.com Tel. +43-1-81140-305

13.05.09

Deutsche lehnen freies Spiel der Wirtschaft ab

- Unternehmen/Finanzen -

Staatsvertrauen steigt - Soziale Marktwirtschaft verliert an Bedeutung

Deutsche kehren Sozialer Marktwirtschaft zunehmend den Rücken (Foto: pixelio.de, Gerd Altmann)

Mannheim/Bielefeld (pte/13.05.2009/11:35) - Die Wirtschaftskrise hat das Vertrauen der Deutschen in den Staat gestärkt und dazu geführt, dass sich nur noch 22 Prozent der Bundesbürger mehr Markt wünschen. Zu diesem Ergebnis gelangt eine heute, Mittwoch, veröffentlichte Untersuchung des Mannheimer ipos-Instituts im Auftrag des Bundesverbands deutscher Banken http://www.bankenverband.de . Die Experten führen die sich inzwischen gewandelte Stimmungslage in der Bevölkerung vor allem auf das Krisenmanagement der Bundesregierung zurück. Diese hätte mit ihren vehementen Reformen in die Finanzordnung laut Bankenverbandschef Manfred Weber das Land “vor Schlimmerem” bewahrt. So würden die Bürger merken, dass die Politik in Krisenzeiten handlungsfähig sei.

Obwohl die Ergebnisse der Erhebung die Vermutung nahe legen, dass das Thema der sozialen Gerechtigkeit wieder eine größere Rolle spielt, lässt sich dies vor allem auch auf die bisweilen populistisch geführte Diskussion über Managergehälter und Steuerhinterziehung zurückführen (pressetext berichtete: http://pressetext.de/news/080327039/ ). Wirtschaftswissenschaftler, wie der Wirtschaftsweise Peter Bofinger, zeigen sich überrascht über das Ergebnis der Studie. So bezweifelt Bofinger in einem Bericht der Süddeutschen Zeitung, dass es sich beim Vertrauen des Volkes in die Regelungsmacht des Staates nicht um einen dauerhaften Trend handle. Für viele dürfte die Krise zudem das Ungleichgewicht zwischen Arm und Reich herausstreichen.

Diese Wahrnehmung wird auch von Wirtschaftshistorikern bestätigt. Die Kluft zwischen Arm und Reich sei seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs noch nie so groß gewesen wie heute. Dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung http://www.diw.de nach verfügt das obere Zehntel der Bevölkerung über 62 Prozent des Privatvermögens. Nahezu ein Drittel der deutschen Bürger besitzt dagegen so gut wie überhaupt nichts oder ist verschuldet (pressetext berichtete: http://pressetext.at/news/090121028/ ). Auf der anderen Seite sollte jedoch auch berücksichtigt werden, dass rund zehn Prozent der oberen Einkommensschichten 50 Prozent des gesamten Steueraufkommens leisten. Um die Kluft zu verringern, fordern Fachleute Steuererhöhungen.

Das Umdenken in Krisenzeiten lässt sich anschaulich in den ermittelten Zahlen verdeutlichen. Wollten vor drei Jahren noch rund 45 Prozent der Deutschen einen geringeren Staatseinfluss auf die Wirtschaft, sind es heute nur mehr halb so viele. Dagegen wünschen sich 57 Prozent “mehr soziale Absicherung”. Auf die Frage, ob sich das einst von Ludwig Ehrhard entworfene Konzept der Sozialen Marktwirtschaft bewährt habe, antwortet gerade einmal die Hälfte mit “ja”. 41 Prozent sind hingegen der Meinung, dass sich dieses Modell nicht bewährt hat. “Dass die Zustimmung zur Sozialen Marktwirtschaft abnimmt, hat langfristige Gründe und damit zu tun, dass wir es von Seiten der Wirtschaftspolitik über die Jahre hinweg inzwischen mit einer Lebenslüge zu tun haben”, so Werner Abelshauser von der Universität Bielefeld http://www.uni-bielefeld.de im Gespräch mit pressetext. (Ende)

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